Ihr Leben, unter ihrem Namen
Die Geschichte von Danguolė Rasalaitė
Danguolė Rasalaitė wurde am 19. Mai 1983 in Telšiai, Litauen, geboren und wuchs im Stadtteil Šančiai in Kaunas auf. Laut Ermittlungsakten der Polizei von Malmö und Berichten schwedischer Medien (Sydsvenskan, 2000) wuchs sie unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen im postsozialistischen Litauen auf. Nach familiären Problemen und der Abreise ihrer Mutter in die USA verließ Danguolė die Schule, um ihren Lebensunterhalt selbst zu sichern.
Im Herbst 1999, im Alter von 16 Jahren, wurde ihr eine Arbeit in der Landwirtschaft nahe Malmö in Schweden in Aussicht gestellt. In der Hoffnung, Geld zu verdienen und ihren Jugendfreundinnen Dalia und Kristina zu helfen, stimmte sie zu. Da sie keinen eigenen Pass besaß, reiste sie mit dem Ausweisdokument einer Bekannten aus Žiežmariai.
Ihre Reise führte über Deutschland nach Schweden. Nach ihrer Ankunft in Malmö wurden ihre Dokumente sofort konfisziert. Sie wurde in einer Wohnung in Arlöv eingesperrt und zur Prostitution gezwungen, um eine erfundene Schuld von 20.000 schwedischen Kronen (SEK) abzuarbeiten.
Während ihrer Gefangenschaft im November und Dezember 1999 verfasste Danguolė drei handschriftliche Briefe auf Litauisch an ihre Freundinnen in Kaunas, in denen sie ihren Wunsch äußerte, nach Litauen zurückzukehren. Diese Briefe wurden nie abgeschickt und später von den Ermittlern sichergestellt.
Mitte Dezember 1999 gelang ihr die Flucht aus der Wohnung in Arlöv. Am 6. Januar 2000 wurde sie nahe der Autobahnbrücke der E22 in Malmö schwer verletzt aufgefunden. Sie wurde in das Krankenhaus von Malmö gebracht, wo sie vier Tage später, am 10. Januar 2000, im Alter von 16 Jahren verstarb.
Ihre Geschichte und ihre Briefe prägten die schwedische Öffentlichkeit und beeinflussten die Debatte über Menschenhandel. Im Jahr 2002 inspirierte ihr Schicksal den Film Lilya 4-ever von Lukas Moodysson. Dieses Gedenken wurde geschaffen, um ihren echten Namen und ihre wahre Geschichte mit Würde und Genauigkeit zu bewahren.